| Warum & wie man Segelflieger wird |
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Beim Durchblättern meiner alten Aufzeichnungen fand ich zu diesem Thema einen Ausschnitt aus der Freiwirtschaftlichen Zeitung aus dem Jahre 1932. Der Bericht trug die Überschrift: "... du wirst Sieger durch dich allein." Es sind dies die letzten Worte der Inschrift auf dem bekannten Rhönfliegerdenkmal. Diese Worte sind für Menschen von heute vielleicht unmodern. Trotzdem sind sie heute so wahr wie damals. Robert Kronfeld, im Segelflug ein Meister seiner Zeit, schrieb unter dieser Überschrift: "Es gehört wirklich echte Begeisterung dazu, denn es gibt kaum lebensfrohere, glücklichere junge Leute als die Segelflieger. Sie wisen genau, daß das Auskosten höchster Lebensform erringen können, durch die Bezwingung der Luft, mit ihrer geheimen Kraft, durch den eigenen Willen und das eigene Können." Der Artikel endet: "Die Überwindung der Schwerkraft der Erde ist ein glückstrunkenes Siegesgefühl. Der Fliegerphilosoph Saint Exupery überschrieb eine Schilderung dieser Freude "Ich suche das Leben". Was mit diesen Worten ausgedrückt wird, wirkt unbewußt in den Segelfliegern fort. Wer sich überzeugen will, ob es diese echte Freude auch heute noch gibt, der beobachte und erlebe die Piloten, wenn sie von einem gelungenen Flug zurückgekehrt und gelandet sind. Der Mund fließt über, wovon das Herz voll ist. Wer sollte sich da nicht freuen, wenn ihm bewußt wird, daß er in 8-10 Minuten durch sein eigenes Können, ohne übermäßige Anstrengung, lautlos etwa 2500m hochsteigen kann. Mit seiner Körperkraft müßte er sich stundenlang an einem Berg schwitzend mühen, um diese Höhe zu erreichen. Es freut sich sogar derjenige, der auf diese Weise solche Höhen erklimmt, obwohl er weiß, daß er wieder mühevoll absteigen muß. Der Segelflieger aber erfährt noch eine Steigerung der Freude. Er kann diese Höhe für eine mühelose Reise über eine Strecke von 60-80 km sinnvoll nutzen. Die Freude wäre recht, wenn die Angst nicht wäre. So oder ähnlich reagieren viele Zuhörer auf eine solche Schilderung. Sie wissen nicht, daß die Angst dazugehört. Sie zeigt jedem seine Grenze und läßt uns die Gefahren erkenne. Deshalb hat auch jeder normale Mensch Angst. Wie beim Fahrradfahrenlernen wächst der Mut mit dem Können und damit das große Erlebnis. Auf die Frage: wie man heute Segelflieger werden kann, war zu keiner Zeit so einfach zu beantworten, wie zu dieser Zeit. Man braucht nur auf einen Segelflugplatz zu gehen, sich den Betrieb anzusehen und eventuell einen Start mit einem Fluglehrer zu machen. Meistens beginnt das fliegerische Erlebnis schon mit einem solchen Flug. Wenn man sich entschließt, diesen Sport zu erlernen, muß man gewillt sein, Ausdauer und Geduld mitzubringen um die gesamte Schulung auch durchzuhalten. Das fliegerische Feingefühl schwindet am Anfang schnell wieder. Deshalb muß regelmäßíg gelernt und geübt werden. Für die Schulung in einem Verein heißt dies, daß man möglichst an allen Wochenenden mindestens seine 2-3 Starts ausführen soll. Nur so kann man bis zum Ende der Flugsaison bis zum 1. Alleinflug kommen. Dies ist der einfache und billige Weg. Wer viel Zeit und Geld hat, kann die Anfängerschulung auch an einer der vielen Segelflugschulen durchführen. Er kann so in 4 Wochen unter günstigen Wetterbedingungen das erlernen, für das er sonst Monate braucht. Er braucht aber dann immer noch einen Verein, um weiterfliegen und schulen zu können. Die Vereinsschulung hat den Vorteil, daß ein gleichmäßiger Übergang von der Ausbildung zur Fortbildung und eine mitlaufende theoretische Bildung geboten wird. Mit den Vorschriften und Bestimmungen wird man allmählich vertraut. Man kann also leichter in die Segelfliegerei hineinwachsen. Es bleibt noch die Frage zu beantworten, wer Segelfliegen lernen kann. Kurz gesagt, wer Lust und Liebe dazu hat, älter als 14 Jahre ist und sich noch nicht zu alt fühlt. Mit dem Segelfliegen jung begonnen, hat noch keinen gereut. Das heißt aber nicht, daß man nur jung beginnen kann. Erfahrungsgemäß sind die ausdauerndsten Schüler nicht immer die jüngsten an Jahren. Meist sind dies Mitglieder, die im Beruf fertig sind, einen Sport ausübten, in dem sie nicht mehr weitermachen können oder auch schon eine Familie gegründet haben. Zum Segelfliegen ist man auch mit 50 Jahren noch nicht zu alt. Ich selbst habe mit 35 erst wieder begonnen. Ob man beginnen kann und wann man aufhören muß, entscheidet letztlich der Fliegerarzt mit dem Tauglichkeitszeugnis. |